Kontaktlos bezahlen: Das müssen Sie wissen

Girocards und Kreditkarten mit neuen Funktionen

Zahlen mit der Giro- oder Kreditkarte wird für Kunden der Volksbank Halle/Westf. eG einfacher. Mit der Einführung der Kontaktlostechnologie muss die Karte zukünftig beim Bezahlen nicht mehr in das Terminal gesteckt, sondern nur davorgehalten werden. Für Zahlungen bis zu einem Einkaufswert von 25 Euro muss nicht einmal mehr eine PIN eingegeben werden. So hat man immer das „passende Kleingeld“ zur Hand, ohne an der Kasse lange nach einzelnen Münzen zu suchen.

Bis Ende 2016 wollen die Volks- und Raiffeisenbanken mehr als 4 Millionen Girocards (ehemalige ec-Karten) ausgeben, mit denen Bankkunden kontaktlos bezahlen können. Ab 2017 werden dann nach und nach alle gut 26 Millionen Girocards der genossenschaftlichen Bankengruppe auf den Funkstandard NFC um-gestellt. Auch Kreditkarten von Visa, Mastercard und Amex sind für die Funktechnik NFC gerüstet. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat die wichtigsten Fragen zum kontaktlosen Bezahlen mit dieser Technik zusammengestellt.

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen mit Karte?
Kontaktloses Bezahlen funktioniert mit Girocards und Kreditkarten, die mit einem sichtbaren Mikrochip und einer unsichtbaren Funkantenne ausgestattet sind. Die Karte und das Lesegerät kommunizieren mittels NFC-Technik miteinander. Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung Near Field Communication, zu Deutsch Nahfeldkommunikation. Es ist ein internationaler Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken per Funk.

Wenn das Kassenterminal den fälligen Betrag anzeigt, halten Sie Ihre Karte in einer Entfernung von höchstens vier Zentimetern an das Lesegerät. Chip und Lesegerät tauschen die zum Bezahlen nötigen Daten aus: Kartennummer, Gültigkeitsdatum und Betrag. Ein kurzes Piepen oder ein optisches Signal bestätigt die Zahlung. Die wird - wie sonst auch - der Bank des Kunden gemeldet, das Geld wird seinem Konto belastet und dem Händler gutgeschrieben. Bei Beträgen bis 25 Euro geht das ohne Geheimzahl und Unterschrift.

Welche Vorteile soll kontaktloses Bezahlen bringen?
Kontaktlos zahlen soll deutlich schneller gehen als Barzahlung oder Kartenzahlung mit Einstecken. Das nutzt Händlern und Kunden. Der Handel muss zwar zunächst in neue Technik inves-tieren, kann dann aber in derselben Zeit mehr Kunden bedienen. Viele Händler hoffen zudem, dass sie künftig weniger Kosten haben, als bisher für die Bargeldbearbeitung anfallen. Für den Kunden soll Bezahlen bequemer werden - zumindest, wenn er sich an die neue Bezahlart gewöhnt hat.

Woran erkenne ich, ob ich mit der Karte kontaktlos bezahlen kann?
Meist trägt die Karte auf der Vorderseite das Symbol für kontaktlose Anwendungen - in der Regel vier aneinander liegende Bögen, die Funkwellen darstellen. Diese Funktion wird in der Regel aktiviert, wenn Sie Ihre Karte erstmals in Kontakt mit einem Gerät einsetzen, entweder zum Bezahlen mit Unterschrift oder Pin oder zum Geldabheben am Automaten.

Bei welchen Händlern kann ich jetzt schon kontaktlos bezahlen?
„Der Handel stellt massiv seine Zahlungsterminals auf kontakt-lose Technologie um", sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). „60 Prozent der großen und 20 Prozent der kleinen Unternehmen werden bis Jahresende kontaktloses Bezahlen akzeptieren."

Nach Bitkom-Schätzungen waren in Deutschland Ende 2015 rund 80 000 Kassenterminals NFC-fähig. Das sind gut 10 Pro-zent aller deutschen Kassenterminals. Die meisten stehen bei Tankstellen, Lebensmitteldiscountern wie Lidl und Aldi, großen Supermärkten wie Rewe und Drogerien wie Rossmann oder den Händlern der Douglas-Gruppe (Thalia, Christ).

Für welche Beträge ist kontaktloses Bezahlen geeignet?
Sie können jede beliebige Summe bis zu Ihrem Kartenlimit kontaktlos bezahlen. Beträge über 25 Euro müssen Sie mit der Karten-Pin bestätigen oder mit Ihrer Unterschrift. Einige Kreditkartenanbieter bauen zur Sicherheit eine Zufallsabfrage ein: Sporadisch oder nach einem bestimmten Schema wird auch bei Summen unter 25 Euro eine Pin oder Unterschrift gefordert.

Ist kontaktloses Bezahlen so sicher wie Barzahlen?
„Kontaktloses Bezahlen ist nicht risikoreicher als herkömmliche Zahlungen mit Karte", sagt Marc Fliehe, Bereichsleiter Information und Sicherheit beim IT-Verband Bitkom. Der Chip funkt über höchstens vier Zentimeter und zwar keine persönlichen Daten wie Adresse oder Name des Karteninhabers. Nur spezielle Lesegeräte können die Signale empfangen und entschlüsseln. Aus Versehen kann jemand also nicht bezahlen. Marc Fliehe sagt: „Die Gefahr, dass Ihnen Bargeld gestohlen wird oder Sie es verlieren, ist weitaus größer.“

Selbst wenn Betrüger die Kreditkartendaten unbemerkt auslesen - wie es das Fernsehmagazin Stern-TV kürzlich vorführte - können sie damit nur bei Händlern im Internet einkaufen, die die vorgeschriebenen Sicherheitsabfragen, etwa die Prüfziffer oder die zusätzliche Kennwortabfrage (3-D-Secure-Verfahren) nicht einsetzen.

Wer dennoch unsicher ist, kann seine Karte mit einer speziell beschichteten Hülle schützen. Sie verhindert, dass der Chip unbemerkt ausgelesen werden kann. Man kann sie bei Onlinehändlern für unter 10 Euro bekommen.

Missbrauch erschweren Sie, wenn Sie die Karten sorgfältig aufbewahren und die Geheimnummern (Pin) keinem verraten. Kontrollieren Sie die Kontobewegungen oft, damit Sie betrügerische Abbuchungen sofort melden können. Lassen Sie eine Kontaktlos-Karte sofort sperren, wenn Sie sie verloren haben oder sie Ihnen gestohlen wurde. Das geht meist über den zentralen Sperrnotruf 116 116, der rund um die Uhr erreichbar ist.

Ist kontaktloses Bezahlen dasselbe wie mobiles Bezahlen?
Nein. Kontaktloses Bezahlen meint in erster Linie das Bezahlverfahren mit der Girocard oder Kreditkarte ohne Einstecken in ein Gerät. Sie halten Ihre Plastikkarte nur vor das Lesegerät an der Ladenkasse und in Sekundenschnelle ist die Rechnung beglichen. Der Begriff „mobiles Bezahlen“ verweist dagegen auf das Smart-phone oder Tablet, mit dem Sie bezahlen.

Quelle: Finanztest