Halles bekanntester Schnauzbart freut sich auf bodenständigen Ruhestand

Volksbank Halle verabschiedet Wolfgang Kahmann nach 47 Jahren

Von wegen Ruhestand: Zum Abschied von seiner Volksbank Halle muss Wolfgang Kahmann auch als Fotomodell für das Haller Kreisblatt posieren. Redakteur Heiko Kaiser veröffentlicht ein Porträt des Pensionärs.

30 Sekunden. Mit Spiegel. Auch nach 47 Jahren bei der Bank bricht man damit beim Krawattenbinden keinen Rekord. Aber darum ist es Wolfgang Kahmann ohnehin noch nie gegangen. Korrekt soll es sein. Und zuverlässig. So hat es der Mann, dessen Schnauzbart in Halle bekannter ist als der von Heiner Brand, stets gehalten. Und so wird er es auch ab Freitagmittag halten, wenn er in den Ruhestand geht.

Große Pläne habe er keine - „vielleicht mal den Hermannsweg laufen.“ Von da oben hat man die Heimat im Blick. Sein Halle, wo er sich immer wohlgefühlt hat. Wo ihn die Menschen kennen. Diese Bodenständigkeit ist ihm immer wichtig gewesen. Familie, Freunde oder den Sportverein im Stich lassen, um woanders mehr Geld zu verdienen – keine Option. „Ich habe hier immer alles gehabt, was ich brauche“, sagt er. Und ja, ein bisschen Stolz klingt auch mit, wenn er davon erzählt, dass er schon ziemliche viele Menschen grüßen müsse, wenn er mit seiner Frau Hannelore durch die Stadt spaziere.

Vom aktuellen Team der Volksbank Halle ist nur Hans-Werner Rudolf noch länger dabei als Wolfgang Kahmann. Beide haben noch unter den Vorständen Gustav Schürmann und Erich Farthmann das Bankgeschäft gelernt. Damals hatte die Bank ihren Hauptsitz noch im heutigen Avanti-Gebäude, gemeinsam mit der Bäckerei Potthoff. Dort musste der junge Azubi Wolfgang stets die Brötchen für die älteren Kollegen abholen – auch in der Bank waren Lehrjahre damals keine Herrenjahre. Und natürlich gab es auch noch keine Helikoptereltern, die den 16-Jährigen zur Arbeit fuhren. Und so war Kahmann zwei Jahre lang der vielleicht bestgekleidete Tramper von Halle, wenn er in Anzug und Krawatte in Künsebeck den Daumen raushielt. Zu spät gekommen ist er nur zwei Mal, denn schon damals kannte Kahmann viele Leute, die ihn mitnahmen.

Beruflich ging seine Reise weiter in das heutige Herrenmodegeschäft Schweppe, das in den 70er Jahren das Bankhaus Lampe beherbergte. Lampe ging nach Bielefeld und die Volksbank übernahm die Räume und Teile der Kundschaft. Hier lernte Wolfgang Kahmann auf eigenen Beinen zu stehen. Hier erlebte er aber auch seinen schlimmsten Moment als Banker, als man ihn mit einem Messer bedrohte und in das Klo mit den Gitterfenstern einsperrte. „War mein Vorschlag, um in Sicherheit zu kommen“, sagt er. Richtig belastet habe ihn der Vorfall zum Glück nie. Eher stärker gemacht.

Auf die Filiale in der Rosenstraße folgten viele weitere Geschäftsstellen in und um Halle, die Wolfgang Kahmann geleitet hat. Dass die meisten davon kleiner waren, war ihm nur recht. „So musste ich mit immer nur mit einem vertragen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Seine Kollegen würden das nie so stehen lassen. Viele der heutigen Berater haben von Wolfgang Kahmann gelernt, was der Unterschied zwischen beraten und verkaufen ist. „Ich habe immer versucht, allen Kunden gegenüber ehrlich fair zu sein, auch wenn es mal negative Entscheidungen zu verkünden gab.“ Wie viele Häuser er in Halle mit dieser Haltung finanziert hat, weiß er nicht genau – „aber 1.000 könnten es schon gewesen sein“. Das ist ein ganzes Dorf.

In den letzten Jahren hat sich Kahmanns Fokus verändert. Weniger Vertrieb, weniger Zahlendruck. Stattdessen hat er am Serviceschalter der Hauptstelle als Hauptkassierer gearbeitet. Gemeinsam mit Pia Specht war er für die Haller Kunden der erste Ansprechpartner. Mit viel Humor und immer mit einem offenen Ohr für Fragen und Wünsche ist Kahmann auch hier ein prägendes Gesicht der Bank. „Mir macht es einfach Spaß, gute Stimmung zu verbreiten und mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.“

Bleibt noch die Sache mit dem Schnurrbart. Den trägt Wolfgang Kahmann tatsächlich fast die komplette Zeit seiner Volksbank-Karriere. „Gezüchtet habe ich ihn damals für den Rosenmontagsball im Pappelkrug. Und als mir dann Rainer Allerdissen verraten hat, dass es bei Bäumer in Hörste passende Bartwixe gibt, habe ich ihn gezwirbelt und behalten.“ Bis auf das eine Mal. Da hat er ihn seiner Frau zuliebe im Urlaub abgenommen. Sah aber nicht aus, sagt er und lacht.

Seine heutigen Kollegen können sich weder Wolfgang Kahmann ohne Bart vorstellen, noch eine Volksbank Halle ohne Wolfgang Kahmann. Und doch wird er sich am Freitagmittag, nach der Feierstunde mit dem Vorstand, ein letztes Mal auf sein Fahrrad schwingen und die Alleestraße hinunter nach Hause rollen. In ein neues Leben. Viel Spaß! Und Danke!