Kundenbegeisterin mit Mutterinstinkt

Angela Köhn geht nach 46,5 Jahren bei Volksbank Halle in den Ruhestand

Borgholzhausen, 31. Januar 2020

Als die Fotos für diesen Artikel in der Schalterhalle der Borgholzhausener Volksbank gemacht werden, bekommt man schnell einen Eindruck davon, wie sehr die Piumer „ihre“ Angela Köhn vermissen werden. „Hörst du etwa heute schon auf?“, wird sie von allen Seiten gefragt – viele Kunden wirken fast ein wenig erschrocken ob der Sorge, sich nicht gebührend verabschieden zu können. Aber Angela Köhn beruhigt: „Keine Sorge, bis Freitag bin ich noch da.“ Heute ist dieser Freitag und mit ihm endet bei der Volksbank Halle/Westf. eG – und besonders in der Borgholzhausener Zweigniederlassung eine Ära, die vor sechsundvierzig Jahren und sechs Monaten begann.

Dass sie ihren Ruhestand freiwillig um vier Wochen nach hinten verschoben hat, passt zu Angela Köhn. Sie macht das nicht, weil sie nicht loslassen kann, sondern weil sie noch gebraucht wird. „Die jungen Leute mussten doch erst richtig eingearbeitet werden“, sagt sie. Erst jetzt, in der Gewissheit, ihren riesigen Erfahrungsschatz an die nächste Generation weitergegeben zu haben, „merke ich, was ich aufgebe“.

Die Frau mit der Personalnummer 15 hat die Geschicke der Volksbank in Borgholzhausen von Anfang an begleitet und mitgestaltet. Nach der Ausbildung unter dem damaligen Vorstand Gustav Schürmann ging es von Halle zurück in ihre Heimatstadt. Zusammen mit Filialleiter Rolf Hellweg, ihrem ersten Chef, wurde in den heutigen Welpinghus-Räumen die Piumer Volksbank aufgebaut, die später mit der Spar- und Darlehenskasse fusionierte.

„Ich war schon immer das Mädchen für alles“, sagt Angela Köhn. Nicht in dem Sinne, dass man sie ausgenutzt hätte, sondern stets als Quell neuer Ideen und Aktionen. Sie war es, die bei samstäglichen Sondersprechtagen der Bausparkasse die Brote für die hungrigen Kunden geschmiert hat, sie hat im Keller der Bank Griebenschmalz gekocht, der dann auf dem Weihnachtsmarkt auf frischem Brot zugunsten der Aktion Sorgenkind verkauft wurde.

Aber vor allem ist es ihr riesiges Interesse an den Menschen, das die Piumer an Angela Köhn so schätzen. „Man lernt die Menschen in all den Jahren so gut kennen und weiß natürlich auch um ihre Ängste und Nöte – das ist auch schon viel Verantwortung“, nennt sie den Grund, warum „das Bankgeheimnis für mich stets das Wichtigste war“. Dieser Kontakt zu den Leuten und die tiefe Überzeugung des Vorteils einer Hausbank vor Ort waren stets die wichtigsten Antriebsfedern. Selbst mit 63 Jahren strahlt Angela Köhn eine Begeisterung aus, die mitreißt.

Natürlich werde ihr all das fehlen, sagt sie. Aber Angela Köhn hat natürlich längst Vorsorge getroffen, ihr Kommunikations- und Organisationstalent an anderer Stelle einzubringen. Seit Kurzem ist sie Mitglied bei den Landfrauen, dazu will sie mehr Sport treiben, ihren Mann in seiner Polstermöbelmanufaktur unterstützen und natürlich regelmäßig in ihrer Volksbank vorbeischauen. „Ich muss einfach unter Leute und hatte schon immer Lust auf Neues“, sagt sie.

Mit einer großen Feier im Kollegenkreis bei Campo endet heute Abend eine ungewöhnliche Bankkarriere. Denn Angela Köhn lebt Kundenbegeisterung, Cross-Selling oder Netzwerken schon viel länger, als es für diese Begriffe der modernen Geschäftswelt überhaupt Namen gibt. Sie trägt sie einfach in sich. Und so ist es nur folgerichtig, dass sich die Ruheständlerin wünscht, diesen Artikel mit folgen Worten zu beenden:

„Ich möchte mich bei allen Kunden, Kollegen und Vorständen bedanken, die mein Berufsleben in 46,5 Jahren gekreuzt haben. Es waren super Jahre. Aber der größte Dank gilt meiner kleinen Familie, die auch in anstrengenden Zeiten immer hinter mir gestanden ist. Ich wünsche allen schöne, gesunde und tolle Jahre mit der Volksbank Halle.“

Danke, Angela Köhn.